Gemeinsame Fortbildungsveranstaltung von AWBM und der AKThB Bayern in Benediktbeuern

Gemeinsame Fortbildungsveranstaltung der AKThB-Landesgruppe Bayern und des AWBM im Kloster Benediktbeuern
Zu einer gemeinsamen Fortbildungsveranstaltung trafen sich am 11. Mai 2011 etwa 25
Vertreter kirchlicher Bibliotheken im Kloster Benediktbeuern. Der Leiter der dortigen
Bibliothek der Philosophisch-Theologischen Hochschule und Sprecher der AKThB Landesgruppe Bayern Dr. Philipp Gahn, konnte sowohl zahlreiche katholische als auch
Kollegen der Arbeitsgemeinschaft der Archive, wissenschaftlichen Bibliotheken und der
Medienzentrale im Raum der ELKB (AWBM) begrüßen. Die Anforderungen an moderne
Bibliotheken und die Betrachtung von Gebetbüchern als besondere Bestandsgruppe
kirchlicher Bibliotheken, sowie Verbandsinterna standen auf der Tagesordnung.
Das Eingangsreferat von Thilo Liebe, des Leiters der Bibliothek der Evangelischen
Hochschule Nürnberg und Vorsitzenden der AWBM, war betitelt: „Open Access und die
Umsetzung. Digitool, e-Prints, OPUS“.
Die Grundsätze von Open Access sind freier kostenloser Zugang zu wissenschaftlicher
Literatur und anderen Materialien im Internet. Interessierte können die Volltexte lesen,
herunterladen und verwenden, sofern der Autor angemessen anerkannt und zitiert wird.
Dargestellt wurde die Entwicklung von 1999 bis zur „Berliner Erklärung“ 2003, die den
offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen fördern will. Dem stehe der sog.
„Heidelberger Appel gegenüber. In ihm versuchten über 2.600 Personen u.a. aus Verlagen
und dem Börsenverein für Publikationsfreiheit und die Wahrung der Urheberrechte der
Autoren einzutreten. Beide Positionen stünden sich jedoch nicht ganz konträr gegenüber; die Grenzen seien durchaus fließend. Die verschiedenen Publikationswege im Netz seien a) die Primärveröffentlichung (der sog. Goldene Weg), b) die Parallelveröffentlichung (der sog. Grüne Weg) und c) die Veröffentlichung von Grauer Literatur.
Durch Fachpersonal und/oder durch die Autoren können Abschlussarbeiten, Forschungs- und Tagungsberichte zum aktuellen Gebrauch und zur Langzeitarchivierung eingestellt werden.
Wiederum gestuft ist die prinzipiell kostenlose Zugänglichkeit: a) uneingeschränkt (d.i. open access), b) eingeschränkt in Form von Abstracts oder c) nur intern.
Vorgestellt wurden die Anwendungsprogramme „ePrints“, das über 250 Anwender weltweit hat und durch das z.B. der Publikationsserver der UB Regensburg betrieben wird, das kommerzielle Programm „digiTool“, welches der Bibliotheksverbund Bayern für seinen
Multimedia-Server nutzt und schließlich die OPUS-Technologie, welche 1997 an der
Universität Stuttgart entwickelt wurde. Sie ist weit verbreitet und wird bisher auch beim
Bayerischen Hochschulschriftenserver angewendet. Auch der Kirchliche Dokumentenserver setzt auf dieser Technologie auf. KiDOKs befindet sich allerdings noch im Aufbau, während beim neuen Bayerischen Hochschulschriftenserver in Zukunft OPUS durch „digiTool“ ersetzt werden soll.
Armin Stephan von der Bibliothek der Augustana-Hochschule Neuendettelsau sah mit seinem Referat „Was ist drin in Google books? Was heißt das für die Zukunft kleiner Bibliotheken?“ große Veränderungen in der Literaturversorgung auf die Bibliotheken zukommen. Er stellte an den Anfang seiner Ausführungen seine Traum-Vision einer buchlosen Bibliothek, die ein eher pessimistisches Bild zeichnete, was die Existenzberechtigung einer herkömmlichen Bibliothek betrifft. Seine Faktenanalyse bestätigte diese Sicht allerdings:
Stichproben, die in der Bibliothek der Augustana-Hochschule durchgeführt wurden ergaben, dass von den Büchern aus deren eigenem Bestand mit Erscheinungsjahr 1740 bis 1850 im August 2009 3 %, im Mai 2011 bereits 25 % voll digitalisiert im Netz zugänglich waren. Von den Erscheinungsjahren 1850 bis 1940 waren es zunächst 3 %, bzw. 10 % im Mai 2011.
Google-books arbeitet nicht nur mit der Bayerischen Staatbibliothek, sondern auch mit
anderen großen Bibliotheken zusammen. Zurzeit scannt das Unternehmen täglich 5000
urheberrechtsfreie Bücher ein. Nach Auskunft von Google sei das Ziel in erster Linie, dass
Nutzer Bücher entdecken und erfahren, wo sie diese ausleihen, bzw. kaufen können.

Auf ein ganz anderes Gebiet, das manchem kirchlichen Bibliothekar vielleicht näher lag,
führte Dr. Gahn die Zuhörer mit seinem Referat „Zur Geschichte und Typologie neuzeitlicher Gebetbücher“. Veranschaulicht durch einige Beispiele aus der Bibliothek der PTH wurde die ganze Vielfalt dieser Literaturgattung deutlich. Gahn teilt Gebetbücher (GB) in sechs Haupttypen ein: 1. Vollständige GB, 2. Zeitbezogene GB, 3. Ortsbezogene GB, 4. Gruppenspezifische GB, 5. liturgische Begleitbücher, 6. GB zu bestimmten Gebetsformen. Freilich können manche GB auch mehreren Gruppen zugeordnet werden. Innerhalb dieser Gruppen behandelte er einige Themen, die in GB stets präsent seien: die Liturgie, die Mystik, die Tugenderweckung, die Katechese, Gebete um Buße, Sühne und Tod sowie die Heiligenverehrung.
Maria Kunzelmann

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