Grußwort von Dr. Peter Pfister in Regensburg

Bei der Festveranstaltung „40 jahre Bischöfliches Zentralarchiv und Bischöfliche Zentralbibliothek Regensburg“ sprach der Vorsitzende der Bundeskonferenz der kirchlichen Archive Deutschlands ein Grußwort, das die allgemeine Bedeutung der beiden Kulturinstitutionen Archiv und Bibliothek hervorhob. Der Kern der Rede ist sicherlich wert, über den Anlass hinaus gehört zu werden.

„Das Bistum Regensburg hat als erste bayerische Diözese die wegweisende Entscheidung getroffen, ein Zentralarchiv und eine Zentralbibliothek unter gemeinsamer Leitung einzurichten. Inzwischen ist solches – um nur auf die bayerische Situation zu blicken – auch in Würzburg und München und Freising der Fall.
40-jähriges Bestehen zu feiern heißt auch, über das Gründungsjahr 1972 zu sprechen. Zentralarchiv und -bibliothek sind 10 Jahre nach Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils und mitten in den Sitzungen der Würzburger Synode entstanden. Ihre Gründung fällt damit in eine Zeit, in der die Kirche um das ‘Aggiornamento’ gerungen hat, um die Frage, wie sie ihre Botschaft unter gewandelten Zeitumständen den Menschen von heute nahe bringen kann. Diese Frage bewegt die Kirche bis heute. Ich nenne nur das Stichwort ‘Neuevangelisierung’ – Thema der eben zu Ende gegangenen Bischofssynode in Rom.
Dass gerade auch die kirchlichen Archive und Bibliotheken im Bemühen um die Neuevangelisierung eine spezifische Aufgabe haben, geht klar aus den einschlägigen römischen Dokumenten hervor.
Wiederholt hat die Päpstliche Kommission für die Kulturgüter der Kirche auf den Dreiklang kirchlicher Kultureinrichtungen hingewiesen: die kirchlichen Archive, die kirchlichen Bibliotheken und die kirchlichen Museen. Vor allem Archive und Bibliotheken bilden eine Einheit und stehen in einem engen thematischen Zusammenhang, wenn es um die Kulturgüter der Kirche geht. Die Kirche leistet sehr viel zum Bereich der Kultur, ebenso wie der Staat oder die Kommunen. Das kirchliche Archivwesen und das kirchliche Bibliothekswesen haben daran einen bedeutenden Anteil.
In den kirchlichen Bibliotheken werden Buchschätze vergangener Epochen ebenso aufbewahrt, erschlossen und nutzbar gemacht, wie die literarischen und wissenschaftlichen Publikationen unserer Tage. Einher geht damit die Sorge um die historischen Buchbestände und ihren Wert für die heutige Forschung ebenso wie die aktuellen bibliotheksfachlichen Fragen.
Die kirchlichen Archive sind – nach einer Formulierung der Päpstlichen Kommission für die Kulturgüter der Kirche – die ‘Orte des Gedächtnisses der Kirche, das erhalten und weitergegeben, wieder belebt und ausgewertet werden soll. Sie stellen somit die unmittelbarste Verbindung zum Erbe der christlichen Gemeinschaft dar.’ (Die pastorale Funktion der kirchlichen Archive, Schreiben der päpstlichen Kommission für die Kulturgüter der Kirche vom 02. Februar 1997, Nr. 2; Arbeitshilfen, Nr. 142, S. 19) Durch die Erhaltung der im Laufe der Zeit entstandenen Bestände an originalen Dokumenten, pflegen die kirchlichen Archive das Gedächtnis des Lebens der Kirche und bekunden damit ihren Sinn für die Überlieferung. Denn mit Hilfe der in diesen Dokumenten gesammelten Informationen wird die Rekonstruktion der wechselvollen Geschichte der Evangelisierung und der Erziehung zum christlichen Leben ermöglicht. Sie bilden die vorrangige Quelle, um die Geschichte der vielfältigen Ausdrucksformen religiösen Lebens und christlicher Liebe zu schreiben und für die Gegenwart fruchtbar zu machen.
Beide Institutionen – Bibliotheken und Archive – haben somit in den Augen der Kommission Anteil am Missionsauftrag der Kirche. Sie sind pastorale Güter und wesentliches Instrument der Evangelisierung. So steht es im Schreiben ‘Kirchliche Bibliotheken in der Sendung der Kirche’ vom März 1994, und nicht viel anders in der Verlautbarung von 1997 ‘Die pastorale Funktion der kirchlichen Archive’.
Blickt man auf die Schwerpunkte im Pontifikat unseres bayerischen Papstes Benedikt XVI., so spielt gerade die Neuevangelisierung eine wesentliche Rolle. Ganz in seinem Sinne müssen kirchliche Archive und Bibliotheken in heutiger Zeit eine Kulturvermittlung auf Höhe der Zeit betreiben. Genau diesem Anspruch stellen sich die Bundeskonferenz der kirchlichen Archive und auch die Arbeitsgemeinschaft katholisch-theologischer Bibliotheken in Deutschland.
Basis dafür auf Seiten der Archive ist die seit 1989 bestehende ‘Anordnung über die Sicherung und Nutzung der Archive der katholischen Kirche’, an deren zeitgemäßer Fortschreibung wir seit zwei Jahren arbeiten. Sie erteilt den kirchlichen Archiven den Auftrag, die Bestände für die Nutzung durch Dritte zu öffnen. Dieses Öffnen ist bislang immer auf der Höhe der Zeit erfolgt. Dem entsprechend muss es im digitalen Zeitalter auch diesem Megatrend der Gegenwart Rechnung tragen. In diesem Sinne äußert sich auch das Schreiben der Päpstlichen Kommission für die Kulturgüter der Kirche. Die kirchliche Archivpolitik findet sich damit nicht zuletzt im Einklang mit den Resolutionen des Weltarchivrates ICA, der den Bemühungen um Digitalisierungen einen besonderen Vorrang einräumt. Für eine ausreichende Zugänglichkeit der kirchlichen Archive im Internetzeitalter muss daher auch über eine digitale Präsentation von Beständen im weltweiten Netz nachgedacht werden. Sie würde nicht nur dem Wunsch der Benutzer gerecht, sondern läge auch im Eigeninteresse der Kirche an breiter Wahrnehmung ihres kulturellen Erbes – natürlich unter Wahrung der Rechte der Kirche an ihrem Kulturgut.
Auf ihrer Frühjahrsvollversammlung 2011 hat die Deutsche Bischofskonferenz ‘Leitlinien zur Digitalisierung von kirchlichem Archivgut’ einmütig gebilligt, ebenso wie ‘Leitlinien zur elektronischen Schriftgutverwaltung’, deren Folgen das kirchliche Archivwesen revolutionieren werden.
Die kirchlichen Bibliotheken waren mit der digitalen Erfassung ihrer Bestände und dem Einbringen der jeweils eigenen Daten in örtliche, regionale und nationale Verbünde den Archiven um viele Jahre voraus. Ihnen stellen sich heute neue Herausforderungen. Dabei geht es nicht nur um digitale Informationsvermittlung. So hat die Deutsche Bischofskonferenz 2009 ‘Leitlinien zur Bewahrung von gefährdeten kirchlichen Bibliotheksbeständen’ verabschiedet. Sie sind heute in vielen deutschen Diözesen Leitschnur beim Umgang mit solchen Buchbeständen, insbesondere aus aufgelösten Ordenseinrichtungen. Hier gilt es, eine vom Verschwinden bedrohte Literatur- und Geisteswelt als geistige Ressource zu bewahren.
So stellen sich kirchlichen Kulturinstitutionen heute auch ganz neue Aufgaben, um in ihrem Segment an der großen gesamtkirchlichen Aufgabe der Neuevangelisierung mitwirken zu können. Wie sich die Diözese Regensburg vor 40 Jahren mit der Einrichtung von Bischöflichem Zentralarchiv und -bibliothek den Aufgaben der Zeit gestellt hat, so wird sie es – davon gehe ich aus – auch in Zukunft tun. Ich wünsche uns allen ein gutes Miteinander auf dem gemeinsamen Weg in eine gute Zukunft des kirchlichen Archiv- und Bibliothekswesen in Deutschland!“

Galerie | Dieser Beitrag wurde unter AKThB LGBy veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s